Kolloquium und Ausstellung (November 2010)
Eine Ausstellung mit künstlerischen Positionen von
Thomas Bittner + + Bianca Gröger + + Bertram Haude + + Tim Kellner + + Verena Landau + + Falk Messerschmidt + + Franciszek Orłowski + + Andrea Pichl + + Stefan Riebel + + Jana Seehusen + + Wanja Tolko + + Christiane Wittig + + Ute Z. Würfel + + Piotr Żyliński.
Ein Kolloquium mit Vorträgen von
Achim Eberspächer: Hier wird Zukunft bewiesen! Erwartungen an die Futurologie vor dem Hintergrund des Systemwettlaufs in den 1960er und 1970er Jahren
Annekathrin Waitzmann und Dr. Jan Scheunemann: Erwartungen und Projektionen. Die deutsche Einheit in ost- und westdeutschen Tagebuch-Aufzeichnungen 1989–1991
Jana Seehusen: Gelegenheit macht Glauben. Eine lectureperformance zur intermedialen Repräsentation katastrophischer Ereignisse.
Die deutsche Einheit und der Prozess einer europäischen Integration seit 1990 gehören zu den anhaltend lebendig und kontrovers diskutierten Themen in Öffentlichkeit, Wissenschaft und Kunst. Annäherungen und Gemeinsamkeiten sind ebenso wie überlieferte Unterschiede in Ost und West zum Gegenstand verschiedener wissenschaftlicher Arbeiten geworden und boten Ansatzpunkte für eine breite Vielfalt an künstlerischen Stellungnahmen. Im künstlerischen Bereich dominieren bislang Arbeiten, die den Spuren deutscher Zweistaatlichkeit nachgehen, und solche, die Erinnerungen an den Transformationsprozess nach 1990 erörtern. In der Wissenschaft liegt der Schwerpunkt bisher auf politik- und wirtschaftsgeschichtlichen Studien zur deutschen Einheit und europäischen Integration sowie auf sozialwissenschaftlichen Untersuchungen zur „inneren Einheit“ Deutschlands. Das Projekt des Leipziger Kreises – Forum für Wissenschaft und Kunst zielt darauf, die Perspektiven auf die deutsche Einheit und die europäische Integration zu erweitern und bisher anzutreffende Sichtweisen zu kontrastieren. Im Zentrum des Projekts stehen zwei Fragen: (1) Welche Erwartungen wurden und werden von den Menschen in Ost und West an Einheit und Integration adressiert. (2) Wie verändern sich räumliche, kulturelle und soziale Wahrnehmungsmuster, wenn Trennendes durch Integration überwunden wird, aber auch wenn in einer Einheit neue Verwerfungen und Brüche entstehen.
Kolloquium: „Zukunftserwartungen 1989/90 angesichts einer deutschen und europäischen Einigung“
Die Jahre 2009 und 2010 waren (und sind) reich gefüllt mit Veranstaltungen und Neuerscheinungen, die die Überwindung der deutschen Zweistaatlichkeit und das Ende der europäischen Teilung 1989/90 thematisieren. Das Spektrum neuer wissenschaftlicher Publikationen reicht von politikwissenschaftlichen Transformationsanalysen, über Darstellungen der Umbrüche in den Ländern Ostmitteleuropas, bis hin zu Untersuchungen der neuen sozialen und ökonomischen Herausforderungen eines europäischen Wirtschaftsraumes. Die Rolle der politischen und wirtschaftlichen Eliten ist in diesem Zusammenhang umfassend erkundet worden. Mit dem Kolloquium erweitert der Leipziger Kreis. Forum für Wissenschaft und Kunst die bekannten Perspektiven der Eliten, also die Sicht „von oben“, durch Perspektiven „von unten“ erweitern. Im Zentrum der Aufmerksamkeit sollen die Erwartungen an die Zukunft stehen, welche die Menschen in unterschiedlichen europäischen Ländern während der Jahre 1989/90 hegten. Es geht hier weniger um die Programme politischer Parteien und Gruppen in Ost und West. Vielmehr sollen jene Zukunftsvorstellungen in den Mittelpunkt gerückt werden, die außerhalb der Politik zur Sprache kamen, also bei den sogenannten einfachen Menschen.