In dem Projekt setzten sich deutsche und osteuropäische Künstler mit gegenwärtigen Formen des Erinnerns an das historische Jahrzehnt 1939–1949 als eine Periode der Gewalt in der europäischen Geschichte auseinander. Dabei wurden besonders individuelle Strategien des Erinnerns in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Gerade die Auswahl über den deutschen Kontext hinausweisender, gesamteuropäischer Erinnerungsmodelle der transmedial experimentierenden jungen Künstlerinnen und Künstler zeigte die Bedeutung der sozialen und kulturellen Auswirkungen des »dramatischen Jahrzehnts« in der europäischen Gegenwart.
Dieses »dramatische Jahrzehnt« war Gegenstand einer vom 12. bis 17. Oktober 2008 stattfindenden Veranstaltungswoche, die im Rahmen des Internationalen Forums 2008 der »Geschichtswerkstatt Europa« verschiedene Initiativen aus der Zivilgesellschaft, die ein länderübergreifendes geschichtspolitisches Anliegen teilen, mit wissenschaftlichen Experten, Künstlern und Bildungspolitikern in eine gemeinsame Diskussion bringen sollte.
Die Ausstellung war der Beitrag des Leipziger Kreises. Forum für Wissenschaft und Kunst zu dieser Auseinandersetzung. Ihm oblag die Konzeption eines in seiner organisatorischen Umsetzung und inhaltlichen Ausgestaltung eigenständigen, dabei mit der gesamten Veranstaltungsreihe thematisch eng verflochtenen Teilbereichs.
Ausstellung: Dark Ages. Gegenwartskunst zu den Folgen der Dekade der Gewalt 1938-1949
In der Ausstellung befassen sich deutsche und osteuropäische Künstler mit gegenwärtigen Formen des Erinnerns an das historische Jahrzehnt 1938–1949 als einer Periode der Gewalt in der europäischen Geschichte. Die Ausstellung ist Teil der Geschichtswerkstatt Europa, die im Oktober 2008 von der Stiftung Erinnerung Verantwortung und Zukunft und der Universität Leipzig ausgerichtet wurde.
Die künstlerischen Arbeiten rücken individuelle Strategien des Erinnerns in den Mittelpunkt. Die von Thomas Klemm kuratierte Ausstellung bringt Werke von Mandy Gehrt (D), Bettina Huttschek (F), Tim Kellner (D), Dimitri Kielbasiewicz (PL), Igor Schestakow (RU), Sarah Schoenfeld (D), Marc Wiesel (D) und Piotr Źyliński (PL) zusammen. Die transmedial experimentierenden jungen Künstlerinnen und Künstler verlassen dabei nationale Denkmuster; ihre Werke verweisen auf gesamteuropäische Erinnerungsmodelle, die die Bedeutung der sozialen und kulturellen Auswirkungen des »dramatischen Jahrzehnts« in der europäischen Gegenwart thematisieren.
Neben den künstlerischen Zugängen zur Dekade der Gewalt eröffnete ein Kolloquium mit Vorträgen von Krisztián Ungváry (HU), Catharina Winzer (D/CH) und Heidi Stecker (D) mehrere wissenschaftliche Perspektiven auf die Dekade der Gewalt.
Die Ausstellung und die geschichts- und politikwissenschaftlichen Veranstaltungen eröffneten in der »Geschichtswerkstatt Europa« unterschiedliche Sichtweisen auf denselben Themenschwerpunkt. Dabei diente jedoch weder die Wissenschaft der Erläuterung der künstlerischen Arbeiten noch die Kunst zur bloßen Illustration wissenschaftlicher Forschungsergebnisse. Vielmehr konnten sie gegenseitig die Reichweiten und Grenzen der verschiedenen Zugänge zeigen.