Die Kunst der Erinnerung. Zwischen staatlicher Erinnerungspolitik und künstlerischem Gestaltungsanspruch“
Zur Eröffnung der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald 1958 schuf der Bildhauer Fritz Cremer eine elfköpfige Figurengruppe, die schon während ihrer Entstehung eine Debatte entfachte, die symptomatisch für die weitere Kunstrezeption der DDR werden sollte. Die Großplastik wurde als das schrittweisende Werk sozialistisch-realistischer Prägung gefeiert, die künstlerischen Erwägungen des Künstlers nahezu vollständig der politischen Interessen der Auftraggeber untergeordnet. Bis heute steht Cremers Denkmal als Aushängeschild eines scheinbar opportunistischen Kunstschaffens in der DDR. Den Künstler und sein Schaffen in einem differenzierteren Bild darzustellen war Ziel dieses Forschungsprojektes.
Auf einer Veranstaltung im Juli 2002 im Interim des Leipziger Grassi-Museums wurde die Studie zum Projekt vorgestellt. Das Eingangsreferat skizzierte aus kunsttheoretischer und zeithistorischer Perspektive die Entstehung der elfköpfigen Figurengruppe des Bildhauers Fritz Cremer in der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald. An der Frage, inwieweit sich in der Großplastik auch eine Unterordnung künstlerischen Schaffens unter den politischen Willen der Auftraggeber manifestiert, entzündete sich bereits vor der Errichtung des Denkmals eine Debatte, die bis heute anhält. Ein anschließendes Korreferat richtete den Blick über das Beispiel Cremer hinaus und versuchte, künstlerisches Schaffen in Deutschland nach 1945 zwischen ästhetischen und politischen Ansprüchen zu positionieren. Referenten waren der Autor der Studie Thomas Klemm sowie Dr. Ulrike Goeschen.