[Über das Potential ungenutzter Möglichkeiten]
Ausstellung, November 2005
Laden fuer Nichts, Leipzig
Jeder Tag bietet eine Vielzahl wahrzunehmender Möglichkeiten. Einige davon zeigen sich ganz offensichtlich und werden bewußt ergriffen, andere wiederum werden zufällig wahrgenommen. Und es gibt jene Möglichkeiten, die aus den unterschiedlichsten Gründen heraus nicht ergriffen werden. Man entscheidet sich bewußt gegen sie, man entscheidet aus einer Unsicherheit heraus überhaupt nichts oder Möglichkeiten gehen vorüber, ohne daß sie erkannt wurden.
Die daran anschließenden Fragen sind nicht neu, noch sind sie überhaupt eindeutig zu beantworten: Was wäre geschehen, wenn ich die eine oder andere Entscheidung anders getroffen hätte; was hätte sich wie verändert bei einer anderen Auswahl der Optionen? Und welche Auswirkungen haben jene nicht ergriffenen Möglichkeiten gerade dadurch, daß sie nicht genutzt wurden? Häufig geht diese Frage einher mit dem Zweifel an der gewählten Entscheidung, der Furcht vor verpassten Möglichkeiten. Diese Auseinandersetzung ist zumeist das Ergebnis einer Auffassung, die den Lebensweg eines Individuums als Summe seiner getroffenen Entscheidungen sieht. Dabei wird das Gewicht aller nicht getroffenen und nicht wahrgenommenen Entscheidungen häufig negiert. Jedoch sollte das Auslassen von Entscheidungen, das Verweigern von Möglichkeiten, das bewußte Ignorieren von Optionen auch als ein aktiver und produktiver Prozeß verstanden werden. Eine Entscheidung nicht zu treffen, eine Möglichkeit auszulassen, ist stets eine zukunftsprägende Handlung und sollte daher über den gemeinhin pejorativen Blick auf das „Vertane“ hinaus auf seine Konsequenzen hin untersucht werden. Die Ausstellung „Es geht voran! Über das Potential nicht genutzter Möglichkeiten“ spürte auf unterschiedlichen künstlerischen Wegen diesem Phänomen nach. Acht Künstler aus verschiedenen internationalen Kunstkontexten setzten sich mit dem Thema auseinander und zeigten Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Fotografie, Film und Installation.
Künstler*innen:
Chris Barr (Bristol, GB)
Andreas Böhmig (Leipzig, Berlin)
Mandy Gehrt (Leipzig)
Franziska Güttler (Leipzig, Dresden)
Beatrice Kobow (Oklahoma, USA)
Verena Landau (Leipzig)
Rodney LaTourelle (Winnipeg, CAN) [tba]
Phi Sander (Leipzig)
Jana Seehusen (Berlin)